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Chinesisches Erotisches Tagebuch


Vlada Ralko

März 10 - 29, 2004



Ein Tagebuch ist ein Tagebuch. Es ist nicht einfach nur intim, bekennend, verborgen und von Zeit zu Zeit mysterioes (...), was ihm Zuverlaessigkeit verleiht wie die Genuinitaet und Offenheit einer ersten Geste. Nein, das Tagebuch ist auch ambivalent gleich der Versuchung zum Lueften eines Geheimnisses, oder, wie man heutzutage sagen koennte, dem Willen zur Transparenz, der ganz analog unter der vorgeschriebenen Bestimmung es zu verstecken vorherrscht in diesem oeffentlichen Ruf des Menschen.

Wie bekannt ist, entwickelte sich das Genre Tagebuch erst sehr spaet in der europaeischen Tradition, wogegen es im Osten, erschienen als klassisches Genre, folgendermassen hiess: Tagebuch des (...) Lebens, Aufzeichnungen bei der..., Tagebuch der..., Aufzeichnungen aus dem....
Interessant ist, dass viele von diesen zu Frauen gehoerten, fuer die Tagebuchliteratur existierte sogar die Bezeichnung weibliche Stroemung. Die Bruecke zur heutigen Zeit schlagend, muss bereits der nahende, unvorstellbare Gestank des Kontextes der Psychoanalyse zu wittern. So zeigt sich das erste Vorzeichen des weiblichen Textes: Endlosigkeit, Laenge, Diffusitaet. Die weibliche intuitive (...) ist die Richtung des Beginnens, auf einmal hinfliehend nach allen Seiten, gleichzeitig verschiedene Untergaenge darzustellen, nicht konzentriert auf einen phallischen Windstoss beginnen und zu beenden.

In den tagebuchaehnlichen Bildern unserer Kuenstlerin ist das orale Motiv (in der Mund und zurueck) of anzutreffen, teilweise auch in geschlechtlicher Umgebung. Das ist die symbolische Rehabilitation ihres Geschlechts von irgendwelchen tiefsitzenden archaischen Komplexen, vorgestellten oder gereinigten Zyklen. Zu allem mag dies nun wieder vergleichbar mit dem (...)(wie eine ploetzlich ueberlaufende Fluessigkeit) weiblichen Brief sein, dessen Herausdraengen und Uebergeben mit dem Prozess der Katharsis.

Die Ehrlichkeit dieses Chinesischen Tagebuchs liegt in seiner nicht sinisierten, d.h. nicht kulturstereotypistischen, hier hyroglyphischen Schreibart. Gemaess dem Verstaendnis der Kuenstlerin ist es ein Seitenblick auf einen chinesischen Basar. Aber es sind eben keine verwestlichten Charakterskizzen, sondern viel mehr visualisierte Gefuehle und Assoziationen eigener Raison, Ableitung der Beobachtung, absurdes inneres Kino der Autorin. Es scheint beinahe, als erzittere die Zeit, sei lebendig an der Oberflaeche dieser Zeichnungen, frei herumflutend, sorglos, irgendwie auch brutal, aber mit dem Glauben an die unerreichbare Mutmassung, Verfremdung der visuellen Tradition bzw. Der traditionellen Enge.



10.03.2004
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